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Neupfarrplatzgruppe

Bereits vor dem Ersten Weltkrieg bis hinein in die Neuzeit fanden sich auf dem zentralen Neupfarrplatz Menschen zusammen um zu diskutieren und über Probleme zu sprechen. Diese Gelegenheit ergab sich daraus, dass in der „Alten Wache“ (Fassade mit Säulen am Kaufhof noch zu erkennen) und am Kassiansplatz damals das Arbeitsamt untergebracht war. Hier trafen sich Renter, Kriegsversehrte und Arbeitslose um stempeln zu gehen und gegebenenfalls einen Job als Tagelöhner zu ergattern.

Für die Regensburger_innen war dieser Platz eine Begegnungsstätte, Nachrichten- und Gerüchtebörse und während der NS-Herrschaft auch Treffpunkt der politischen Opposition.

Von der Gestapo wurde von Oktober 1942 bis Februar 1943 gegen 49 Regensburger Regimekritiker_innen, die sogenannte „Neupfarrplatz-Gruppe“ ermittelt. Am 3. November 1942 wurden die meisten in Polizeihaft und in das Konzentrationslager Flossenbürg überführt.

Vom Oberlandesgericht München wurden zum Teil hohen Haftstrafen und Ehrverlust verhängt. Zwei Beschuldigte, Josef Bollwein und Johann Kellner, wurden vom Volksgerichtshof Berlin zum Tode verurteilt und am 12. August 1943 durch das Fallbeil hingerichtet. Josef Haas und Georg Zaubzer wurden am 19. August 1943 ohne Todesurteil im KZ Flossenbürg erschossen. Weitere fünf Beschuldigte starben an den Folgen der Verhaftung, Folter und Haftumständen noch vor der Verhandlung.

Bei der Neupfarrplatz-Gruppe handelte es sich aber nicht um eine organisierte Gruppe. Sie stammten aus einem ähnlichen sozialen Millieu, verkehrten gemeinsam auf dem Neupfarrplatz oder waren durch Nachbarschaft bekannt.

Urteile

Vom 6. Senat des Volksgerichtshofs Berlin wurden Josef Bollwein und Johann Kellner zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Josef Haas und Georg Zaubzer wurden zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt und ohne Todesurteil im KZ Flossenbürg hingerichtet.

Bei Johann Eibl, Franz Herzog, Max Massinger und Johann Schindler führten Verhaftung, Verhöre und Inhaftierung zum Tod im Konzentrationslager bzw. zum scheinbaren „Freitod“.

Georg Sonnauer ist einige Wochen nach den Vernehmungen durch die Gestapo am 03.11.1942 und vor seiner angeordneten Festnahme am 06.01.1943 aus unbekannten Gründen verstorben.

Josef Rödl wurde 1945 geisteskrank aus dem Konzentrationslager Flossenbürg befreit und verstarb am 19.07.1959 im Regensburger Nervenkrankenhaus „Karthaus“.

Übersicht über weitere Verurteilungen.

Personenverzeichnis

Quellen und Literatur

  • Angerstorfer, Dengg: „Regensburg im Widerstand. Neupfarrplatz-Gruppe“
widerstand_und_opfer/neupfarrplatzgruppe/neupfarrplatzgruppe.txt · Zuletzt geändert: 2016/05/30 13:36 von andreas_schmal