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widerstand_und_opfer:neupfarrplatzgruppe:massinger_max

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widerstand_und_opfer:neupfarrplatzgruppe:massinger_max [2014/08/21 13:57] (aktuell)
andreas_schmal angelegt
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 +====== Massinger Max ======
  
 +===== Leben =====
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 +Max Massinger wurde am 28.12.1884 geboren und verstarb am 11.04.1943 in einer Zelle in Nürnberg.
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 +Max Massinger wuchs als jüngstes von zehn Geschwistern im Gasthof seiner Eltern in Sallern auf. Er lernte das Metzgerhandwerk und schloss mit der Gesellenprüfung ab. Nach seinem Militärdienst (1906-1908, 11. Infanterieregiment Regensburg) arbeitete er als Metzger in München.\\
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 +1914 heiratete Max Massinger und pachtete die Gastwirtschaft "Zum Einhorn"​ am Unteren Wöhrd. Im Mai 1916 wurde er einberufen und bis 1918 mehrmals bei Verdun verwundet. Seine Frau verstarb während der Zeit seines Militärdienstes.
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 +Nach dem Krieg baute er sich eine neue Existenz auf, pachtete die Gastwirtschaft "​Malzfabrik Herrmann"​ in Stadtamhof und  heiratet im Juni 1919 ein zweites Mal. Aus dieser Ehe gingen vier Söhne hervor, von denen einer sehr früh verstarb. 1920 pachtete er die Gastwirtschaft "Zur Steinernen Brücke"​ und betrieb diese bis 1923. Durch die Inflation verarmt musste er von Unterstützung leben. 1928 pachtete er die "​Kelheimer Weißbierhalle"​ in der Pfarrergasse,​ musste aber nach kurzer Zeit wieder aufgeben. Max Massinger fand erst 1935 einen Arbeitsplatz in der Zuckerfabrik.
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 +===== Verhaftung und Verhör =====
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 +Am 03.11.1942 wurde Max Massinger nach der Nachtschicht von der Gestapo verhaftet, am 29.01.1943 wurde er mit mindestens 14 Schicksalsgefährten von Regensburg aus in das KZ Flossenbürg gebracht. Am 30.03.1943 wurde er dann ins Strafgefängnis Nürnberg verlegt.
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 +Die drei Söhne waren zum Zeitpunkt der Verhaftung des Vaters 22, 19 und 14 Jahre alt, die beiden älteren waren zur Wehrmacht eingezogen.
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 +Die Anklage lautete auf //"​Abhören ausländischer Sender und das Diskutieren von deren Nachrichten im größeren Kreis."//​
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 +Vorgeworfen wurden ihm: //[...] gehässige hetzerische oder von niedriger Gesinnung zeugende Äußerungen über leitende Persönlichkeiten des Staates und der Partei. Er kritisierte fortgesetzt Maßnahmen der Regierung in gehässiger Weise, bezeichnete die deutschen Nachrichten als unwahr. Männer von Partei und Staat bezeichnete er wiederholt als Lumpen, die das Volk belügen und betrügen. Er debattierte über Rückzüge deutscher Truppen an der Ostfront.//​((Verhörprotokolle am OLG))
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 +Laut Vernehmungsprotokoll der Gestapo war Max Massinger bis 1933 Anhänger aber nicht Mitglied der SPD. Seit 1918 beim "​Krieger-Stammverein Regensburg"​. Die Erfahrungen während des 1. Weltkrieges //„[…] führten bei mir zwangsläufig zu einer Abneigung gegen den Krieg und den Militarismus. […] Dadurch wurde ich auch Anhänger der SPD. […] Schon während meiner Arbeitslosigkeit war ich manchmal am Neupfarrplatz […] Bis zum Krieg drehte sich die Unterhaltung dort meist um die Frage, ob es wieder zum Krieg kommt.“//
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 +===== Flossenbürg =====
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 +Ein Mithäftling Massingers im KZ berichtete von folgender Begebenheit. Einer der Söhne Massingers sandte einem Vater nach Flossenbürg ein Foto von sich in Uniform. Auf der Rückseite des Bildes schrieb er einen Gruß an seinen Vater. Diese Post kam sogar an. Ein SS-Mann zeigte dem Häftling Massinger die Fotografie mit der Frage: //"​Kennst du den?"//​. Der Vater antwortete mit //"​Nein."//​. Entweder weil er ihn in der Uniform nicht erkannt hat oder weil er Schikane und Schläge fürchtete. Der SS-Mann drehte die Fotografie um und zeigte Massinger Schrift und Widmung des Sohnes. Jetzt bejahte Massinger die Frage, dass das sein Sohn sei. Daraufhin schlug der SS-Mann auf ihn ein und brüllte: //"​Dein Sohn kämpft an der Front für unseren Führer und du bist so ein Schweinehund!"//​((zitiert nach: Kick, "​Widerstand in Regensburg",​ Seite 154))
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 +===== Brief von Therese Massinger =====
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 +Auszug aus einem Brief seiner Frau vom 10.04.1943, geschrieben drei Tage nach ihrem Besuch im Nürnberger Gefängnis:
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 +//„Mein Mann wurde am 3.11.42 ganz plötzlich, als er von seiner Nachtschicht (in der Zuckerfabrik) kam, verhaftet. Warum, darüber habe ich bis heute noch keinen Bescheid. Wir sind seit 24 Jahren verheiratet. Aus unserer Ehe kamen 4 Söhne, davon war einer gestorben. Zwei sind Frontkämpfer,​ einer im Osten, der andere im Westen und der jüngere ist 14 Jahre und bei mir zuhause.
 +Mein Mann war noch nie bei einer Partei und hat noch nie Politik getrieben. Er ist Frontkämpfer 1914/18 und hat sich das EK II erworben. Jetzt ist er Mitglied der Arbeitsfront und beim Kriegerstammverein,​ bei letzterem schon 25 Jahre. […] Unsere drei Söhne waren bei der HJ und dann kamen sie zum Arbeitsdienst und zur Wehrmacht. Mein älterer Sohn hat sich mit 19 für 12 Jahre Militär verpflichtet. Er wurde voriges Jahr wegen Tapferkeit vor dem Feind im Osten am Ilmensee zum Unteroffizier befördert und dort auch verwundet, bekam die Ostmedaille,​ das EK II und das Verwundetenabzeichen. Am Mittwoch 7.4.43 war ich in Nürnberg im Justizgebäude und konnte meinen Mann zum erstenmal seit seiner Verhaftung sehen und sprechen. Ich erschrak zutiefst, als ich seinen schlechten Gesundheitszustand sah. Er konnte nicht einmal stehen, seine Hände sind ganz blau und angelaufen und kalt, ein Bein hat er sich erfroren. Ich bitte Sie inständigst,​ meinen Mann doch in ein Krankenhaus einliefern zu lassen, damit er uns erhalten bleibt. Ich weiß mir gar nicht mehr zu helfen. Auf der einen Seite drücken mich die Sorgen wegen meiner Söhne an der Front, auf der anderen Seite sehe ich, dass mein Mann zugrundegeht und ich habe bis heute noch keinen Bescheid, warum mein Mann überhaupt verhaftet wurde […]
 +Heil Hitler! Therese Massinger“//​((zitiert nach: Kick, "​Widerstand in Regensburg",​ Seite 155))
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 +===== Tod =====
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 +Am 11.04.1943 um 18:45 verstarb Max Massinger im Zellengefängnis Nürnberg an den Umständen der Haft und seiner Behandlung im KZ Flossenbürg. Seine Frau konnte die Herausgabe seiner Leiche erreichen, welche am Waldfriedhof in Nürnberg bestattet wurde.
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 +Quellen und Literatur:
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 +  * Angerstorfer,​ Dengg: "​Regensburg im Widerstand"​
 +  * Kick: "​Widerstand in Regensburg"​
widerstand_und_opfer/neupfarrplatzgruppe/massinger_max.txt · Zuletzt geändert: 2014/08/21 13:57 von andreas_schmal