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gedenkorte_und_gedenken:gedenktafeln_verschwunden

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gedenkorte_und_gedenken:gedenktafeln_verschwunden [2013/10/25 15:15]
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 Längere Zeit bewegte sich in diese Richtung allerdings nichts mehr. Erst ein knappes Jahrzehnt später widmete sich eine Initiative der Jüdischen Gemeinde, der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und der Arbeitsgemeinschaft ehemaliges KZ Flossenbürg erneut intensiv der Forderung nach einer Gedenktafel am Colosseum. In einem offenen Brief zum 9. November 1992 kritisierten sie, dass es mittlerweile ein Mahnmal für die deutschen Bombentoten Stadtamhofs des Zweiten Weltkriegs gäbe, aber nach wie vor nichts an das KZ-Außenlager erinnere. Angesichts der damals aktuellen Angriffe auf und Schändungen von KZ-Gedenkstätten und sowie rassistischer Gewalttaten und erstarkendem Nationalismus,​ sei es von größter Bedeutung, die Erinnerung vor Ort wachzuhalten und ein Mahnmal zu errichten, „das an die Opfer erinnert und zur Versöhnung aufrufe.“((Offener Brief an die BürgerInnen Regensburgs zum 9. November, zitiert nach Arbeitsgemeinschaft ehemaliges Konzentrationslager Flossenbürg:​ Vorläufige Dokumentation,​ S. 36.)) Viele Regensburger*innen schlossen sich der Forderung an, auch von politischer Seite gab es Unterstützung für das Anliegen.((Vgl. ebd., S. 35.)) Längere Zeit bewegte sich in diese Richtung allerdings nichts mehr. Erst ein knappes Jahrzehnt später widmete sich eine Initiative der Jüdischen Gemeinde, der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und der Arbeitsgemeinschaft ehemaliges KZ Flossenbürg erneut intensiv der Forderung nach einer Gedenktafel am Colosseum. In einem offenen Brief zum 9. November 1992 kritisierten sie, dass es mittlerweile ein Mahnmal für die deutschen Bombentoten Stadtamhofs des Zweiten Weltkriegs gäbe, aber nach wie vor nichts an das KZ-Außenlager erinnere. Angesichts der damals aktuellen Angriffe auf und Schändungen von KZ-Gedenkstätten und sowie rassistischer Gewalttaten und erstarkendem Nationalismus,​ sei es von größter Bedeutung, die Erinnerung vor Ort wachzuhalten und ein Mahnmal zu errichten, „das an die Opfer erinnert und zur Versöhnung aufrufe.“((Offener Brief an die BürgerInnen Regensburgs zum 9. November, zitiert nach Arbeitsgemeinschaft ehemaliges Konzentrationslager Flossenbürg:​ Vorläufige Dokumentation,​ S. 36.)) Viele Regensburger*innen schlossen sich der Forderung an, auch von politischer Seite gab es Unterstützung für das Anliegen.((Vgl. ebd., S. 35.))
  
-Wiederum schien sich die Stadt nicht zu bewegen. So ergriffen andere die Initiative und brachten bei einer Demonstration im November 1993 die Gedenktafel,​ die nun bereits eine Dekade auf ihre Anbringung gewartet hatte, eigenmächtig an. Es folgte eine kontroverse öffentliche Diskussion. Für die CSU war klar: „Der Schwarzbau muss weg“.((Zitiert nach [[http://​www.regensburg-digital.de/​antifaschistischer-gedenkweg-dokumentationszentrum-gefordert/​25042010/​|Regensburg Digital, Antifaschistischer Gedenkweg]].)) Die Arbeitsgemeinschaft ehemaliges KZ Flossenbürg und die Regensburger Presse erhielten Drohbriefe von Nazis. Diese beließen es aber nicht bei Verbalradikalität,​ sondern gingen selbst ans Werk und demontierten und zerstörten die Gedenktafel,​ die sie als „Judentafel“ bezeichneten.((Vgl. Simon-Pelanda,​ Im Herzen, S. 159; Heigl, Regensburg unterm Hakenkreuz, S. 131.)) Nachdem die Tafel trotzdem wieder angebracht worden war und die SPD-Oberbürgermeisterin Christa Maier den Forderungen nach Entfernung der Tafel nicht nachgegeben hatte, blieb die Tafel schließlich etwa ein Jahr an der Brüstung der Steinernen Brücke hängen.((Vgl. [[http://​www.regensburg-digital.de/​antifaschistischer-gedenkweg-dokumentationszentrum-gefordert/​25042010/​|Regensburg Digital, Antifaschistischer Gedenkweg]].)) ​ Erneut entfernt und dabei versehentlich – wie es heißt – zerstört wurde die Gedenktafel von der Stadt Regensburg just parallel zur Errichtung des [[gedenkorte_und_gedenken:​gedenkstein|Gedenksteins für die Häftlinge des KZ-Aussenlagers in Stadtamhof]].((Vgl. Simon-Pelanda,​ Im Herzen ​der Stadt, S. 159.))+Wiederum schien sich die Stadt nicht zu bewegen. So ergriffen andere die Initiative und brachten bei einer Demonstration im November 1993 die Gedenktafel,​ die nun bereits eine Dekade auf ihre Anbringung gewartet hatte, eigenmächtig an. Es folgte eine kontroverse öffentliche Diskussion. Für die CSU war klar: „Der Schwarzbau muss weg“.((Zitiert nach [[http://​www.regensburg-digital.de/​antifaschistischer-gedenkweg-dokumentationszentrum-gefordert/​25042010/​|Regensburg Digital, Antifaschistischer Gedenkweg]].)) Die Arbeitsgemeinschaft ehemaliges KZ Flossenbürg und die Regensburger Presse erhielten Drohbriefe von Nazis. Diese beließen es aber nicht bei Verbalradikalität,​ sondern gingen selbst ans Werk und demontierten und zerstörten die Gedenktafel,​ die sie als „Judentafel“ bezeichneten.((Vgl. Simon-Pelanda,​ Im Herzen, S. 159; Heigl, Regensburg unterm Hakenkreuz, S. 131.)) Nachdem die Tafel trotzdem wieder angebracht worden war und die SPD-Oberbürgermeisterin Christa Maier den Forderungen nach Entfernung der Tafel nicht nachgegeben hatte, blieb die Tafel schließlich etwa ein Jahr an der Brüstung der Steinernen Brücke hängen.((Vgl. [[http://​www.regensburg-digital.de/​antifaschistischer-gedenkweg-dokumentationszentrum-gefordert/​25042010/​|Regensburg Digital, Antifaschistischer Gedenkweg]].)) ​ Erneut entfernt und dabei versehentlich – wie es heißt – zerstört wurde die Gedenktafel von der Stadt Regensburg just parallel zur Errichtung des [[gedenkorte_und_gedenken:​gedenkstein|Gedenksteins für die Häftlinge des KZ-Aussenlagers in Stadtamhof]].((Vgl. Simon-Pelanda,​ Im Herzen, S. 159.))
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gedenkorte_und_gedenken/gedenktafeln_verschwunden.txt · Zuletzt geändert: 2013/10/25 15:17 von stefanie_schuetz